Psalm
Gedämpfte transzendente Terzenklänge der hohen Geigen leiten diesen Psalm ein. Dann erhebt sich ein zweimal ansetzender, quasi-rezitativischer Cellogesang, bevor über leisem Trommelwirbel die Begleitung durch das leise aufrauschende Saitenspiel der Harfe dazukommt. Die Cello-Psalmistin (Ina Boyle!) setzt ihren meditativen, zwischen Dur und Moll schwankenden Gesang fort, von der Harfe und dem Orchester unterstützt und getragen. Nach vier deutlichen Harfenarpeggien und dem Gesangsende des Cellospiels schliesst eine abwärts neigende akkordische Holzbläserfigur des Orchesters diesen ersten Abschnitt des Psalms ab.
Unruhig beginnt das Cello in neuem synkopischem Dreiertakt einen zweiten monotoneren Solo-Abschnitt. Er kulminiert schliesslich in rhythmischen Paukensynkopen und in punktierten Aufwärtsbewegungen von Cello und Holzbläsern sowie erneutem Saitenspiel. Der Psalmabschnitt klingt in einem kurzen Cellosolo und in langen erschöpften Orchesterklängen aus.
Im dritten Abschnitt tritt zuerst eine Solo-Oboe hinzu, von antwortenden Hörnern und einer Klarinette mitunterstützt, danach folgt eine Solo-Flöte und leitet über zu einer neuen Melodie des Cellosolos. Holzbläser, Hörner, Streicher begleiten den Cellogesang und entwickeln ihn gemeinsam weiter. Ein kurzes Horn-Solo beendet diesen Psalmabschnitt.
Der vierte Psalmabschnitt beginnt mit einem gewichtigen Cello-Rezitativ in tiefer Lage, dazu dramatisiert ein heftiges, absteigendes Achtel-Motiv des gesamten Orchesters die Anklage des Cellos, als zöge erlittenes Unrecht empört den Himmel zur Rechenschaft auf die Erde. Nach einer Beschleunigung des Orchestermotivs steigert das Cello seine Empörung - fortissimo und tenuto - bis in die höchste Tonlage und mündet in eine vehemente Solo-Doppelgriffpassage. Nochmals bricht das Orchester in Anklage aus, bevor das Cello sich beruhigt und …
… in einem nächsten Abschnitt eine versöhnende Adagio-Melodie über einer tragenden Bassbegleitung anstimmt. Es klingt wie Ergebung nach deutlich ausgelebtem Widerstand. Die Cello-Melodie enthält Variationen früherer Melodien. Auch das Saitenspiel der Harfe setzt wieder ein, wobei die nochmals auftauchenden absteigenden Achtelmotive und die empörten Doppelgriffe des Cellosolos nicht vergessen lassen, was war. Vielmehr werden diese im Ganzen der verschiedenen, wie im ganzen Psalm immer wieder zwischen Dur und Moll schwankenden Klänge des Orchesters aufgehoben. Der Psalm schliesst mit einem aufschauenden Cello-Solo und dem treu begleitenden Saitenspiel der Harfe.